Fred S.: Ich wurde immer kleiner

von Karl-Heinz Schmidt-Lauzemis

Fred S.: Ich wurde immer kleiner
Von Karl-Heinz Schmidt-Lauzemis
Regie: der Autor
Mit: Fred S., Gabriele S., Christine S., Michael S.
Produktion: HR/RIAS Berlin 1978
Länge: 65'13

Was Arbeitslosigkeit bedeuten kann, das kommt in diesem Originaltonfeature von 1978 schonungslos zutage.

Originaler Pressetext von 1978:
„Der Kraftfahrer Fred S. verdient 600 Mark brutto in der Woche. Vierzehn Stunden sitzt er täglich auf dem ‚Bock‘. Nach einem Arbeitsunfall – noch im Krankenbett – kriegt Fred seine Kündigung. Er meldet sich arbeitslos. Seine Akte verschwindet spurlos auf dem Dienstweg. Drei Monate sucht Fred ohne Erfolg einen neuen Job. Das Arbeitslosengeld kommt auch nicht. Bei einem Termin im Arbeitsamt flippt Fred aus und ‚holt die Sachbearbeiterin über den Tisch‘.
Gaby, seine Frau, besorgt eine Hauswartstelle. Ihr Lohn reicht nicht, um die Kinder zu ernähren, die laufenden Anschaffungskredite abzustottern und den gewohnten Lebensstandard zu finanzieren. Die Familie geht borgen. Gaby pumpt bei Verwandten und Freunden. Die Kinder leihen Geld von Schulkameraden, und als die nichts mehr geben, klauen sie im Supermarkt. Es gibt Ärger: mit der Polizei, den Freunden und Verwandten.
Gaby S. kellnert und ist 10 Stunden aus dem Haus. Ihr Mann verzweifelt im Haushalt und kommt mit den Kindern nicht klar. Fred fühlt sich minderwertig. Früher war er der Ernährer der Familie. Jetzt sitzt er zu Hause, und die Frau bringt das Geld. Fred flüchtet in den Alkohol. Wenn der Rausch verflogen ist, denkt er an Selbstmord.
Fred S., seine Frau und seine drei Kinder schildern in offenen Selbstaussagen ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit dem ‚Makel‘ der Arbeitslosigkeit – in der Familie, bei den Verwandten und Bekannten, in der Schule, auf dem Arbeitsamt, in der Kneipe, und immer wieder zu Hause, wo der Frieden gestört ist. ‚Die Arbeitslosigkeit hat mich geschafft‘, sagt Fred S., ‚ich wurde immer kleiner‘.“

 

Biografie

Karl-Heinz Schmidt-Lauzemis, geboren 1947 in Chemnitz, ist aufgewachsen im Berliner Nachkriegs-Westen. Er schrieb zahlreiche Hörspiele, Radio-Features, Film- und TV-Drehbücher. 1991 erhielt er für „Stille Helden siegen selten“ den Hörspielpreis der Kriegsblinden. Weitere Stücke: „Abschiedsbrief konnte nicht gefunden werden“ (RIAS Berlin 1974), „Sterne unter Tage“ (DLR Berlin 1997, mit Isabel Bayer) und „Hahn zu“ (DKultur 2008). Er ist Mitglied in der Vereinigung deutschsprachiger Biografinnen und Biografen und im Autorentrio „DokuVitae: Erzähltes Leben“.

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