ein literarischer Erzähler

ein Erzählen, in dem das Wort im Mittelpunkt steht, das auf Semantik setzt

Erzählen mit fremden Stimmen

Das polyphone Erzählen strebt die „Gleichwertigkeit“ aller Stimmen an.

gleichberechtigt, Schnitt und Gegenschnitt

Der Autor Paul Kohl bricht ein bundesdeutsches Tabu, indem er Aussage gegen Aussage setzt, gleichberechtigt, Schnitt und Gegenschnitt. Er schafft so einen dokumentarischen Rahmen, eine fiktive Begegnung, die historisch – zumindest in Westdeutschland – nicht stattgefunden hat.

Unzuverlässiger Erzähler

Was ist das für ein Erzähler, der sich gar keine Mühe gibt, die Fäden zusammenzuhalten? „Weiß ja selber nicht, was ich hier suche“, murmelt er in der langen Szene, wo er in der Kanalisation den Ratten begegnet.

Road-movie Feature

Er dokumentiert eine Reise durch die Bundesrepublik im Herbst 1977. Ohne genaues Reiseziel verschlägt es ihn von Nord nach Süd und querfeldein durch die sogenannte deutsche „Provinz“. Er besucht Hundezüchter und Waffenverkäufer, Hausfrauen und Kneipengänger, macht zufällige Bekanntschaften auf der Straße und bei Beerdigungen und immer dabei ist das Mikrofon, das sich weder für Namen noch Berufe interessiert, sondern allein auf die Sprache, die Befindlichkeit des Augenblicks abzielt.

rhythmisch wiederkehrende Leitmotive

Durch die rhythmisch wiederkehrenden Leitmotive, die sich hier durch das Stück ziehen und es zusammenhalten, konnten die studentischen Monteure – gemeinsam mit ihrem regieerfahrenen Mentor Robert Matejka! – das ausgewählte Material im Studio dann um so freier und assoziativer, eher nach musikalischen, als nach logischen Gesichtspunkten arrangieren.

der moderierende Erzähler

Anders als die literarische Reportage braucht das Feature nicht zwangsläufig einen moderierenden Erzähler, der fortlaufend wechselnde Orte und Konstellationen beschreibt. Die Szenen erzählen sich den Ohren selbst, die bleibende Rest-Unschärfe ist exakt jener Freiraum, der dann der Phantasie des Hörers zugute kommt.

Der Hörer in der Überwacher-Position

Ein Stückweit inszeniert auch das „Jetzt!“-Feature eine gewisse Draufsicht, setzt den Hörer in eine Beobachter- – und weil die Aufnahmen fast ausschließlich im öffentlichen Raum geschehen – auch in eine Art Überwachungs-Position: das Feature als Zentrale, in der alle Kanäle zusammenlaufen, mühelos und unbeteiligt schwenkt der Hörer alle drei Minuten von einer Szenerie zur nächsten und wieder zurück. Streifzüge. Zufällige Fundstücke. Gleichbleibende Distanzen.

die Simulation einer Live-Sendung

Das erklärte Ziel war „die Simulation einer Live-Sendung: Was machen die anderen, während ich Radio höre? Was passiert da draußen? Jetzt, in diesem Moment?“

Hemingway-Eisberg-Stil

Er schreibt im Hemingway-Eisberg-Stil,  bei dem die sprachliche Fassung ein Siebtel der Oberfläche abtastet, während im Auge der Betrachterin, beziehungsweise im Ohr des Hörers die unsichtbaren Sechssiebtel des Eisberges unter Wasser imaginiert werden.

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